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Herbert Grönemeyer begeisterte mit viel Gefühl und "Gummibärchen-Tricks" 120.000 Fans bei Doppelkonzert

Für Tennis-Ass Boris Becker ist es der Court Number One in Wimbledon, für Formel-1-Pilot Michael Schumacher der Rennkurs im belgischen Spa, und für Herbert Grönemeyer ist es seit dem 15. und 16. Juni die Arena AufSchalke: "Sehr imposant, ein schönes Wohnzimmer", rief der Musiker den jeweils 60.000 Zuschauern zu. Die bedankten sich auf ihre Weise.

Minutenlang schwappte die Welle durch den einzigartigen Konzertsaal. Grönemeyer konnte es kaum fassen. Er saß auf dem Bühnenrand und stammelte immer wieder: "Irre, irre ..." Der Mensch war glücklich, das Publikum begeistert. Die Rocklegende Bruce Springsteen war schon da, auch die Jungs von Bovi Jovi, immerhin Weltmeister des Stadionrocks, gaben bereits ihre Visitenkarte auf Schalke ab, doch der Barde aus Bochum, der zwar in Göttingen geboren aber im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, legte noch eine Schippe drauf.

Es war ein Heimspiel für den 47-Jährigen, tief im Westen. Mit einer gelungenen Mischung aus neuen Liedern von seiner aktuellen CD "Mensch" und Klassikern wie "Bochum", "Männer" und "Alkohol" nahm er an beiden Tagen die 120.000 Besucher im Sturm: "Fass mich ganz fest an, dass ich mich halten kann. Bring mich zu Ende, lass mich nicht mehr los."

"Land unter" in der Arena. Umgeben von wärmenden Emotionen zeigte Grönemeyer fast drei Stunden, was ihn so stark macht. Wenn der Mann mit dem "Vollmond"-Gesicht "Zum Meer" bittet, oder das Publikum auffordert "Halt mich", dann nehmen es ihm die Besucher ab. Mehr noch: Sie finden sich in seinen Texten wieder. Und so wird aus vollem Hals gesungen: "Momentan ist richtig, momentan ist gut. Nichts ist wirklich wichtig, nach der Ebbe kommt die Flut."

Die Fans wollten ran an den Wahl-Londoner. Auf den beiden Leinwänden neben der Bühne und auf dem gigantischen Video-Würfel konnte man sein ausdruckstarkes Mienenspiel verfolgen. Grönemeyer sang nicht, er predigte. "Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht", oder einfach nur: "Bleibt Mensch!" So wie er. Jemand, der sich nicht lächerlich vorkam, wenn er Gummibärchen in die Luft schmeißt, um sie anschließend mit dem Mund aufzufangen. Jemand, der mit einem Luftballon seine fußballerischen Fähigkeiten präsentierte. Mit der Südtribüne im Rücken dribbelte er auf dem 30 Meter langen Steg auf die Nordtribüne zu. Dort, wo normalerweise die eingefleischten Königsblauen stehen, wurde ihm auch "machst mit dem Doppelpass Schalke 04 auf dem Kanaldeckel nass - du und dein VfL" verziehen.

Trotz farbenfroher Videoclips, einer rockigen Band und einem ausgezeichneten Amsterdamer Streicher Ensemble wurde es in erster Linie dann stimmungsvoll, wenn Herbert alleine am Klavier stand und nur dezent begleitet wurde. Natürlich ging "Der Weg" für seine verstorbene Frau Anna unter die Haut, doch auch "Flugzeuge im Bauch" waren spürbar. Zum Ende des Konzerts ließ sich "Grönie" noch einmal breitschlagen. Er versammelte die Menge um sein Klavier und bestellte die "Currywurst".

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