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Turandot: Arena erneut Verona des Ruhrgebiets

Ein betörendes Fest für das Auge und die Ohren wurde den Besuchern der VELTINS-Arena am Wochenende geboten: Giacomo Puccinis Oper Turandot verzauberte das Publikum mit eindrucksvollen Bildern und gewaltigen Stimmen. Fast 30.000 Zuschauer erhoben sich nach dem dreistündigen Spektakel von ihren Sitzen, um die 530 Musiker, Sänger, Tänzer und Statisten mit Ovationen zu feiern.

Genau wie kurz nach der Arena-Eröffnung mit dem Verdi-Meisterwerk "Aida" oder 2003 mit Georges Bizets "Carmen" wurde die Arena dem Ruf als Verona des Ruhrgebiets gerecht. "Die größte Opernproduktion aller Zeiten", präsentiert von der Premium Classics GmbH in Kooperation mit der Equity Live Entertainment GmbH, fand einen würdigen Spielort. 86 Sattelschlepper hatten die Teile für die gigantische Bühne angeliefert, die 143 Meter breit und 42 Meter war. Auf ihr entführten die Mitwirkende in 5000 Kostümen die Besucher ins ferne Asien.

Große italienische Oper mit chinesischem Flair - diese Gegensätze sind in der Musik von Giacomo Puccini raffiniert verbunden. Zhang Yimous Inszenierung setzt auf den Zauber chinesischer Prachtentfaltung. Der Regisseur, der unter anderem durch seine Filme "Die Rote Laterne" und "Hero" Weltruhm erlangt hat, zeigt kein Raumtheater, wie es in "Aida" und "Carmen" zu erleben war, sondern eine Inszenierung mit konventioneller Zentralperspektive. Die traumhafte Szenerie, dem Kaiserpalast in Peking bewundernswert genau nachgebildet, wird durch chinesische Rituale von suggestiver Wirkung belebt.

Der Regisseur hat aus Turandot eine Opern-Kino-Show inszeniert, die an Pathos und Prunk kaum zu überbieten ist. Das spüren die Besucher, die mit spontanem Szenenapplaus reagieren - auf jeden Bilder- und Kulissenwechsel und die bravourös zelebrierten Ohrwurm-Arien. Als stolze, blutrünstige Kaisertochter Turandot brilliert die russische Starsopranistin Irina Gordei, mit dunklem Timbre, runden hohen C´s und Stummfilm-Pathos. Genauso sicher trumpft der italienische Tenor Nicola Martinucci als Prinz Kalaf mit strahlenden, stählernen Stimmbändern auf. Nach dem letzten Ton der weltberühmten Arie "Nessun dorma", die es mit der Version mit Pavarotti aufnehmen kann, bricht unvermittelt Jubel los.

Eine sängerische Entdeckung ist die bildschöne Chinesin Yao Hong, die mit viel europäischem Schmelz die Schmerz-, Treue- und Liebesschwüre der Sklavin Liù intoniert. Dem hohen sängerischen Anspruch zeigen sich auch Alexander Anisimovs greiser Timur und Laurent Alvaro, Nicola Pamio und Giles San Juan als kaiserliche Vasallen Ping, Pang und Pong gewachsen.

Heiner Kördell, der 1958 als Fußballer zur Schalker Meistermannschaft gehörte, genoss den Opernabend in der Arena in vollen Zügen. "Der Gesamteindruck war überwältigend. Die monumentale Bühne, die Bewegungen der Darsteller und die Musik als Sprache des Ganzen hinterlässt bei mir einen fantastischen Eindruck. So etwas sieht man nicht alle Tage." Eben nur alle zwei Jahren - und dann in der Arena.



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