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Abstauber in der Arena: Die Reinigung der Dachkonstruktion
Die Männer hangeln sich in luftiger Höhe in der Dachkonstruktion der VELTINS-Arena Stück für Stück vorwärts. Gut fünfzig Meter trennen die Industriekletterer vom sicheren Boden, ein Sicherungsseil verhindert einen Sturz. In der rechten Hand halten sie einen kleinen Besen, in der linken Hand einen Wischlappen. Ihre Aufgabe: die Reinigung der Stahlträger des Arena-Daches, auf denen sich seit der Einweihung 2001 jede Menge Staub angesammelt hat.
"Es ist schon eine Herausforderung, hier oben zu arbeiten", berichtet Gregor Spork, Geschäftsführer des Unternehmens ProRope. Das liegt in der Hauptsache nicht an der Höhe, sondern daran, dass die Stahlträger miteinander verbunden und daher in einem ungewöhnlichen Maße verschachtelt sind.
"Man muss immer wieder Übergänge von einer Strebe zur nächsten finden und da ist vor allem eine gute Klettertechnik gefordert", beschreibt der 35-Jährige die Schwierigkeiten, die sein Team meistert. Körperliche Fitness des ProRope-Teams ist dabei unabdingbar. "Andernfalls könnten wir uns gar nicht fünf Tage am Stück kletternd fortbewegen", so der Geschäftsführer.
Rund 60 Arbeitstage sind vonnöten, um das modernste Stadion Europas wieder auf Hochglanz zu bringen. "Immerhin haben wir es mit Rohren zu tun, die einen Durchmesser von 70 bis 90 Zentimetern haben", erklärt Ulrich Dargel, Technischer Leiter der Arena.
Nicht nur Motorsport-Veranstaltungen mit sandigem Untergrund wie Stock Car und Speedway haben ihre Spuren auf der Stahlkonstruktion hinterlassen. "Wir hatten hier zwei Opern, in denen der komplette Innenraum - also etwa 11.000 Quadratmeter - mit einer 15 Zentimeter hohen Sandschicht gefüllt wurde", erinnert sich Dargel. "Über den trockenen Sand sind unter anderem Pferde getrabt, die diesen natürlich aufgewirbelt haben. Bei den Proben, wo die Feuerwehr im Gegensatz zur Veranstaltung nicht gewässert hat, konnte man im Stadion die Hand vor Augen nicht erkennen."
Nachdem es der Terminplan Ende vergangenen Jahres nicht zuließ, eine gründliche Reinigung durchzuführen, bot sich nun die Gelegenheit dazu. "Bei diesem außergewöhnlich großen Projekt müssen wir uns klar nach dem Veranstaltungskalender der Arena richten", erläutert Björn Engelberg, ebenfalls Geschäftsführer von ProRope. Es ist aus Sicherheitsgründen nämlich nicht möglich, Reinigungsarbeiten durchzuführen, wenn sich Menschen unterhalb der zu reinigenden Fläche befinden. "Immerhin könnte etwas herunterfallen", so Dargel. Zudem muss eine Abstimmung mit dem Reinigungsdienst der VELTINS-Arena erfolgen, da der herabrieselnde Staub vor jeder Veranstaltung von den Zuschauerrängen entfernt werden muss.
Eine ähnliche Form der Stahlträger-Reinigung hat übrigens schon einmal stattgefunden. Kurz nach Fertigstellung des Stadions wurde eine erste Grundreinigung, ebenfalls durch Industriekletterer, vorgenommen. Den Clou am Einsatz der mobilen Kräfte erklärt Spork: "Man kommt relativ problemlos überall hin und erspart sich den zumeist kostenintensiven Einsatz großer Gerüste und Hubsteiger."
Seit 2004 bietet das Unternehmen deutschlandweit diverse Dienstleistungen "am Seil" an. Unter den sechs Festangestellten und zwei freien Mitarbeitern finden sich Schlosser, Elektriker, Ingenieure, Schwergewebekonfektionäre und Lackierer, die die Ausbildung zum Industriekletterer erfolgreich absolviert haben. Außerdem haben die Mitarbeiter auch an Lehrgängen beim TÜV teilgenommen, welche sie berechtigen, Materialprüfungen vorzunehmen. "So können wir zum Beispiel die Schweißnähte einer Achterbahn überprüfen", erläutert Stork. Die Arena, da sind sich Stork und Engelberg einig, ist jedoch ein besonderes Projekt.
Recht ungewöhnlich aus Schalker Sicht ist auch die Heimat der Reinigungsfirma: Dortmund. Ulrich Dargel hat damit jedoch kein Problem. "Ich persönlich verstehe mich prima mit Dortmundern. Die Firma liefert gute Arbeit ab und ist ein absoluter Experte auf diesem Gebiet", berichtet der Technische Leiter der Arena, der schmunzelnd hinzufügt: "Ich glaube auch nicht, dass Schalker Fans etwas dagegen haben, wenn Dortmunder unsere Arena sauber machen. Zudem haben wir den Nachbarn in der vergangenen Saison sechs Punkte abgenommen, jetzt konnten wir ihnen wieder etwas zurückgegeben."
Sollte alles nach Plan verlaufen, könnten bereits Ende nächster Woche alle Reinigungsarbeiten des Dachgerüstes abgeschlossen sein. Das regionale Programm von Sat.1 wird am Dienstag (27.5.) in seiner Sendung "17:30" über die Arbeiten unter dem Dach der VELTINS-Arena berichten. Zudem hat das WDR-Fernsehen im Rahmen seiner "Lokalzeit Ruhr" am kommenden Montag (2.6.) ab 19.30 einen Beitrag geplant.
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